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Fußball [30.07.2010] Zwei Anderlechter und zwei AS-Fans philosophierten zwei Tage vor dem Saisonauftakt über das Duell ihrer beiden Klubs »In zwei Jahren Champions League gegen Köln«Von Marvin Henn und Patrick Bildstein Am Samstag trifft die AS Eupen in ihrem ersten Spiel in der 1. Division auf den belgischen Meister RSC Anderlecht. Die Eupener werden von rund 500 Fans im Constant-Vanden-Stock-Stadion unterstützt werden. Auf einer anderen Tribüne werden weitere Ostbelgier der Begegnung beiwohnen. Sie werden aber keinen schwarz-weißen, sondern einen veilchenfarbenen Schal tragen. Ghislain Ernst und Danny Flas, Mitglieder des ostbelgischen Anderlecht-Fanclubs, trafen wir am Donnerstagnachmittag in ihrem Versammlungscafé Haus Zahlepohl in Raeren. Ihnen gegenüber zwei Anhänger der AS Eupen, Mike Thissen und Jeremy Thomassen. Ernst und Flas prophezeiten eine klare Angelegenheit und gaben ihren Gegenübern einen guten Tipp mit auf die Reise: Genug Bier im Koffer, damit die Niederlage nach dem Spiel ordentlich ertränkt werden kann. Aber die beiden Eupener Fans ließen sich nicht unterkriegen und glauben an ein Wunder von Brüssel: »Nehmt genügend Taschentücher mit, um nach dem Spiel eure Tränen zu trocknen«, riefen die Eupener den »Veilchen«-Fans beim Abschied hinterher. Mit den vier Fußball-Fans führten wir folgendes Gespräch. Anderlecht-Eupen konnte man sich bisher nur als Freundschaftsspiel vorstellen, wenn überhaupt. Wie surrealistisch ist das für die Fans beider Klubs jetzt gegeneinander anzutreten? Ernst: Das hätte man sich gar nicht erträumt. Uns im Fanclub hat es gefreut, gegen einen Verein aus der heimischen Gegend anzutreten, obwohl die AS für Anderlecht kein außergewöhnlicher Gegner ist. Wir hoffen, dass die AS sich so lange wie möglich in der 1. Division halten wird. Thissen: Es ist klar, dass es ein tolles Auftaktspiel für uns Fans darstellt. Aber ich finde, dass das Geschehen drum herum ein bisschen zu aufgepuscht wird. Wir sind schließlich jetzt auch ein Erstligist und kein mickriger Verein aus den unteren Ligen, der auf den großen Meister trifft. Während Anderlecht sich national und international einen Ruf erarbeitet hat und über eine große Fanschar verfügt, steht die AS Eupen noch am Anfang. Wie groß ist der Graben zwischen den beiden Klubs? Ernst: Ich will hier nicht von Graben sprechen, sondern eher von Welten, die diese beiden Vereine trennen. Aber in der Mitte der Saison werden wir sehen, in welchem Bereich der Tabelle sich beide Mannschaften etabliert haben. Flas: Es ist auch unsinnig Anderlecht mit der AS Eupen zu vergleichen. Eupen muss sich nach Gegnern wie Westerlo oder St. Truiden richten. Das wäre, als ob man eine kleine ostbelgische Rockgruppe mit Queen vergleichen würde. Bei den Heimspielen von Anderlecht sind immer über 30000 Fans im Stadion, in Eupen ist man froh, wenn überhaupt 2000 oder 3000 Zuschauer kommen. Womit rechnet man im ersten Jahr in der 1. Division? Thissen: Ich schätze, dass nicht mehr auswärtige Fans als im letzten Jahr den Weg zum Kehrweg antreten werden. Es werden vielleicht hier und da mehr Eupener vertreten sein, aber viele sind verärgert wegen des Stadionausbaus und der damit zusammenhängenden Geldsummen. Warum schafft es die AS Eupen denn nicht, eine Euphorie zu entfachen? Thissen: Ich nehme an, dass der Eupener sich sagt, ich will mich mit einer Mannschaft identifizieren können. Vor 20 Jahren bestand die Mannschaft noch hauptsächlich aus Eupenern und das ist jetzt nicht mehr der Fall. Aber ich verstehe nicht, warum die Betroffenen nach Anderlecht oder zur Bundesliga fahren, denn da ist dieser Multi-Kulti-Trend schon viel länger im Gange. Was ist interessanter: Ein Spiel in der 1. Division oder eine Begegnung in der 1. Bundesliga? Thomassen: Ich bin schon als Kind nach Köln gefahren, doch jetzt wo mein Heimatverein in der 1. Division spielt, ziehe ich die Spiele der AS vor. Thissen: Ich habe eine Dauerkarte in Köln und gehe seit den letzten drei Jahren nur noch zu den Topspielen. Mich reizt die besondere Stimmung bei der AS. Wenn in Köln 20 Mann fehlen, dann merkt keiner das, aber wenn bei Auswärtsspielen der AS zwei, drei Fans nicht dabei sind, dann knickt die Stimmung ein. War der Aufstieg der AS eine Überraschung? Thomassen: Vor zwei Jahren war die AS dem Abstieg in die 3. Division ganz nah, von daher ist es schon eine kleine Überraschung. Schaut man sich aber jetzt den Verlauf der letzten Saison an, geht die AS als souveräner Aufsteiger in die kommende Spielzeit. Teilen Sie die Meinung von Anderlecht-Manager Van Holsbeeck, wonach bei einem Abstieg in die 2. Liga die Lichter am Kehrweg ausgehen? Flas: Falls die AS absteigt, ist der italienische Investor weg. Es heißt, dass er sich wieder mehr nach Italien zurückzieht. Eupen hat das Geld erhalten, um in die 1. Division aufzusteigen, aber die AS muss demnächst auf eigenen Beinen stehen und sich aus eigenen Kräften in der Klasse halten. Wenn der Italiener weg ist, dann wird es schwer, aber es ist nichts unmöglich. Glauben Sie, dass die AS die Klasse halten kann? Thissen: Ich denke, dass in dieser Saison wieder ein Verein große finanzielle Probleme bekommen wird, so wie Mouscron letztes Jahr - dann hätte man schon einen Konkurrenten weniger. Wenn man zwei, drei neue Spieler als richtige Verstärkung holt, dann ist es meiner Meinung nach nicht so schwer, sich in der Klasse zu halten, da die Unterschiede in Belgien nicht allzu groß erscheinen. Ernst: Ich befürchte, dass sie sich nicht halten werden, aber ich wünsche es dem Verein und den Fans von ganzem Herzen. Anderlecht hat am vergangenen Dienstag in der Champions-League-Vorrunde die New Saints locker mit 3:1 geschlagen. Ist die AS stärker? Ernst: Das können wir gar nicht beurteilen, aber ich denke eher nicht. Ich kann es aber wirklich nicht sagen, da ich nicht alle Spieler der AS kenne. Wird Anderlecht Meister? Thissen: Dieses Jahr auf jeden Fall. Flas: Wir müssen noch schauen, mit wie vielen Punkten Vorsprung (lacht). Ernst: Die Chancen stehen gut, aber es ist genauso wichtig, dass sich Anderlecht auch international etabliert. Thissen: Die Zeitung »Vers l'Avenir« hat eine Umfrage gestartet, in der Eupen als erster Absteiger feststand. Sage und schreibe 0,8 Prozent haben Eupen als Meister getippt - also ich tippe auch Eupen als Meister. Ich habe immer gesagt, wir spielen in zwei Jahren das Champions-League-Finale gegen Köln (lacht). Wovor haben Sie am meisten Angst, wenn die Partie am Samstagabend angepfiffen wird? Thissen: Wir haben nichts zu verlieren als Neuling in dieser Division, deshalb brauchen wir auch vor keinem Angst zu haben. Wäre es für Anderlecht eine Blamage, gegen AS Eupen nicht zu gewinnen? Flas: Es wäre überhaupt keine Blamage, da im Fußball sowieso alles möglich ist. Für uns ist es wichtig die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Die Meisterschaft dauert so lange, und daher wäre es kein Untergang, zu Beginn einige Punkte liegen zu lassen. In Belgien sind einige Fangemeinschaften verfeindet. Mit welchen Fans gibt es für Sie die meisten Probleme? Flas: Also für Anderlecht gibt es Standard und natürlich Club Brügge. Ein Anderlecht-Fan würde sich nie erlauben nach Standard oder Brügge mit dem Auto zum Auswärtsspiel zu fahren. Wenn wir mit dem Bus reisen, dann halten wir in den Gefahrenzonen auch nicht an, um Auseinandersetzungen und Schlimmeres zu vermeiden. Ich wurde gestern von einem Polizisten darauf angesprochen, ob es am Samstag denn auch zu Auseinandersetzungen kommen könnte. Ich habe ihm gesagt, dass wenn wir Eupener treffen, mit ihnen ein Bier auf das Spiel trinken werden. Thissen: Wir haben eine Fanfreundschaft mit Ostende. Einige Anhänger der Flamen haben uns auch zu den letzten Spielen der AS begleitet. Bisher haben wir keine Probleme mit Mannschaften aus der 1. Division gehabt, im Gegensatz zu Mannschaften aus Liga zwei. Gegen Mons gab es schon einige Provokationen. Gegen Roeselare war auch nicht ohne. Wie geht die Partie am Samstag aus? Ernst: Klarer Sieg für Anderlecht. Wie hoch weiß ich nicht, aber es wird eine klare Angelegenheit. Flas: 4:1, 5:1. Thomassen: Knappe Niederlage oder Unentschieden. Thissen: 1:0-Sieg für Eupen. Die AS Eupen weist darauf hin, dass es noch Mitfahrmöglichkeiten gibt. Die Busse fahren am Samstag um 16.30 Uhr am Kehrweg los. Der Platz im Bus kostet 12 Euro, das Ticket im Stadion auf der Stehtribüne ebenfalls 12 Euro. Für die Sitztribüne müssen 23 Euro bezahlt werden. Kinder bis 15 Jahre bezahlen für einen Stehplatz neun Euro. Info: 087/742993. Auch der Anderlechter Fanklub hat noch Karten zur Verfügung. Kontakt: 0472/694819. 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